Mittwoch, 15. Dezember 2010

adventskalender // türchen 15


Ich denke, es ist noch im Kindergarten oder vielleicht doch im ersten
Schuljahr gewesen, dass wir eine Weihnachtsfeier in einer (zumindest
für mich als Kind) großen Kirche im Nachbarort hatten. Die Dame mit
der blauen Decke und dem roten Blüschen bin ich und ich stelle die
Maria dar. Josef, links im Bild mit Hut, der schützend die Hand an
das Kinderbettchen hält, heißt eigentlich Thomas B. Speziell an
dieser Begebenheit ist so einiges:

1. Ich war die Maria. Wie special ist das bitte?
2. Ich habe gesungen (!!!), in einer Kirche?!
3. Ich kann das Lied immer noch singen.
4. Thomas B. war eigentlich der Junge (ca. 1 Jahr jünger als ich,
heute würde man sagen verhaltensauffällig, aber ich denke, vor allem
unglücklich), der mir die Grundschulzeit oft genug ziemlich schwer
gemacht hat. So vom Schulranzen verstecken bis hin zum mit
Eisschneebällen bewerfen.
5. Den Zettel, den die Kindergärtnerin / Lehrerin meiner Mum damals
mit gab, der wurde immer noch zwischen Fotos und frühen Zeichnungen
von mir aufbewahrt. Ich finde ihn rührend und vor allem rührt mich
seine Existenz, zig Jahre später!
6. Den Jungen habe ich so mit 16, 17 auf einer Klassenfahrt in der
Nähe von München wieder getroffen. Er war inzwischen aus unserem Ort
weggezogen und auch auf Klassenfahrt. Er hatte sich völlig verändert.
Er kam auf mich zu, strahlte mich an, stellte mir seine Freundin vor
und fragte mich, wie es mir gehe und wie lustig es wäre, dass wir uns
hier träfen. Ich war baff, wie er sich verändert hatte.

Was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Nun, ich schaue das
(qualitativ miese) Bild an und bin wieder Kind. Bin einerseits
gepiesakt von diesem jüngeren Mitschüler, singe in einer Kirche vor
vielen Menschen ein paar Zeilen, spiele eine der
Krippenspielhauptfiguren und übe mit meiner Mum das Lied ein. Das
alles gleichzeitig.
Da wird mir warm um´s Herz, weil ich so eine großartige Kindheit
hatte und ich gerade Weihnachten mit so schönen Erinnerungen
verbinde, mit meinen Eltern und meinem Bruder, meinen Großeltern.
Und dann freue ich mich über die Geschichte mit Thomas, an die ich
immer wieder denken muss. Möchte nicht mehr ins Detail gehen, aber
der Junge hat´s wohl echt nicht leicht gehabt und hat eben nach unten
getreten, weil er sich nicht anders zu helfen wusste. Und er hat die
Kurve gekriegt und ich hab dies sogar von ihm selber erfahren!
Und dann denke ich an meine Zukunft als Lehrerin, in der ich für
viele Kinder mit die Verantwortung tragen werde und ich freue mich
darauf.

Das Bild steht für mich für ein friedliches, glückliches Fest. Für
ein Weihnachten mit meiner Familie und für eine großartige Kindheit
und mein Herz quillt über vor Dankbarkeit!

Genug der Worte.
Wünsche euch allen eine großartige Adventszeit!


- beitrag von frollein schnieke -
herzlich willkommen beim ehrenWORT! auch dir eine schöne adventszeit!

Kommentare:

  1. vielen Dank für deinen so persönlichen Beitrag in unserem Adventskalender!
    dir auch ein wunderschöne Adventszeit! :)

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  2. Es ist wahr, gerade zu Weihnachten erinnern wir uns so oft wie nie sonst im Jahr an unsere Kinderzeit. An die schönen wie an die doofen Dinge, manchmal mit Wehmut, manchmal mit Freude.

    Eine schöne und passende Geschichte für die Adventszeit. (Ich durfte NIE die Maria sein. *Neid*)

    Grüße! N.

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  3. ...eine wunderbare Geschichte, danke fürs teilen.
    Dir auch eine gute Advents- und Weihnachtszeit.
    LG von Birgitt

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  4. Ich schließe mich Birgitt an und fühlte mich durch Deine Gechichte zurückversetzt in meine Kindheit. (Ich denke oft was wohl aus der und em geworden ist?)
    Ina
    P.s.
    Hast aber eine süße Maria gegeben, richtig hingebungsvoll:-)

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  5. Ein wunderschöner Beitrag!!

    Ich glaube Bilder in dieser Form haben wir alle irgendwo rumliegen. Man sollte sie wirklich öfter mal rauskramen.

    Vielen Dank für die Idee!

    LG

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  6. Ach, wie wunderbar! Ganz herzerwärmender Beitrag! Es war beim Lesen fast, als seie man dabei gewesen. Ich bin jetzt gleich noch gespannter, wer mir dieses Jahr über die Feiertage wohl so über den Weg laufen wird, denn erfahrungsgemäß habe ich bei der Rückkehr in meine alte (recht überschaubare) Heimatstadt auch schon mal die ein oder andere Begegnung à la Thomas B.

    Und noch was: eine ganz schön ausdrucksstarke Maria sehe ich auf dem Bild...da scheint mir großes schauspielerisches Talent vorhanden zu sein, liebes Frollein Schnieke! Super finde ich aber auch die vielleicht eher unbeabsichtigte Erleuchtungserscheinung vorne rechts! ;o)

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  7. Toller Beitrag! Das hat mir richtig gut gefallen!
    Danke fürs Aufschreiben.

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  8. Stimmt, was ich eigentlich für eine seltsame Belichtung hielt, scheint mir bei näherer Betrachtung auch eher eine Erleuchtung gewesen zu sein :)
    Schön, dass euch die Geschichte gefällt, eure Kommentare zu lesen, hat mir noch mal doppelt Freude gemacht!
    Und was ich noch bemerkenswert finde: kehre auch gerade frisurentechnisch wieder in die Zeit zurück, zumindest vom Schnitt, nicht von der Farbe her :) Alles Liebe vom FROLLEINschnieke
    P.S.: Später in der Oberstufe hatte ich in der Theater-AG dann nur noch männliche (!) Nebenrollen bis auf meine allerletzte ... :)

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  9. Ich mag solche echten und wahren Geschichten und Begebenheiten sehr. Das ist eine mal etwas andere Idee für den Adventskalender. Sie gefällt mir. Herzlichen Dank!

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  10. Herrlich, solche Kindheitserinnerungen.

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lieben dank!