Samstag, 4. Dezember 2010

adventskalender // türchen 4


Das Kästchen

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber es ist gut und gerne 20 Jahre her. Ich war im Park spazieren – es war in der Vorweihnachtszeit. Der Schnee rieselte sanft zu Boden. Während ich so durch den Park ging und mich die Schneeflocken umtanzten, sah ich plötzlichen einen alten, bärtigen Mann auf einer der Parkbänke sitzen. Er sah nachdenklich und traurig aus. Ich setze mich zu ihm und wir kamen ins Gespräch. Wir sprachen über viele Dinge: über die Stadt, über die Menschen, über die Adventszeit. Dann begann er auf einmal zu erzählen:

„Es ist schon lange her. Das Geld war knapp zu jener Zeit. Das Mädchen lebte mit seinem Vater in einem kleinen Häuschen auf dem Land. Die Mutter war bereits vor einiger Zeit gestorben. Draußen lag Schnee – Schnee so weit das Auge reicht: vom kleinen Wäldchen bis zur nahe gelegenen Stadt. Es war Heiligabend.
Das Mädchen – es war um die drei Jahre alt – legte ein mit Goldpapier verziertes Kästchen unter den spärlich gezierten Weihnachtsbaum. Als der Vater dies sah, wurde er zornig. Das Goldpapier war nämlich sehr teuer gewesen. „Das ist für dich, Papa.“, sagte das Mädchen. Da schämte sich der Vater für seine heftige Reaktion. Gespannt öffnete er das Kästchen, doch als er hineinsah, musste er feststellen, dass es leer war. Da schrie er das kleine Mädchen an: „Was soll das? Weißt du nicht, dass wenn man jemandem ein Geschenk macht, auch etwas drin sein sollte?“ Das Mädchen schaute seinen Vater mit Tränen in den Augen an und sagte schluchzend: „Oh, Papa, das Kästchen ist nicht leer. Es ist voll mit Küssen – mit Küssen nur für dich.“ Der Vater wollte im Boden versinken. Er schämte sich, seine Tochter angeschrien zu haben. Er nahm das Mädchen in den Arm, drückte es fest an sich und entschuldigte sich. Dabei kullerte ihm eine Träne über die Wange.
Man sagt, der Mann bewahre das goldene Kästchen in einem kleinen Schrank neben seinem Bett auf und immer wenn er deprimiert oder traurig ist, nimmt er einen imaginären Kuss aus dem Kästchen und erinnert sich an die Liebe, die seine Tochter darin versteckt hat.“

Ich hatte eine Träne im Auge. Der alte Mann stand auf und verschwand wortlos in der Dunkelheit des Parks. Ich blieb noch eine Weile sitzen und dachte über die Geschichte nach…

Sind es nicht die kleinen Dinge, die uns glücklich machen? Sind es nicht die kleinen Gesten und Geschenke über die wir uns am meisten freuen? Sind es nicht die Geschenke, die mit Liebe gemacht sind, die uns in Erinnerung bleiben und unser Herz erwärmen? Nehmen wir uns ein Beispiel an diesem Mädchen und schenken mit Liebe. Das Weihnachtsfest ist doch das Fest der Liebe.


- beitrag von bonito [ohne blog] -
schön, dass du beim adventskalender dabei bist! ein herzliches willkommen beim ehrenWORT! 

Kommentare:

  1. Eine sehr rührende schöne Geschichte. Das ist schon was anderes als teure Klunker oder Parfüm. Nichts ist wichtiger als Liebe (außer Gesundheit)

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  2. Hach, eine so schöne Weihnachtsgeschichte!
    Adventliche Grüße! N.

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  3. eine ganz wunderbare Geschichte! sehr schön geschrieben. und zum Nachdenken anregend. gerade richtig für die besinnliche Adventszeit! :)

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  4. ...eine so schöne und berührende Geschichte und gerade in unserer materiell orientierten Zeit eine notwendige Mahnung, danke.

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  5. Eine wundervolle Geschichte...vielen Dank!

    LG

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  6. eine Geschichte, bei der ich unwillkürlich schlucken musste

    schön, in dieser Zeit des Konsums zu erinnern, worum es bei Weihnachten eigentlich geht

    lieben Gruß
    Uta

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  7. Danke für die sehr schöne Geschichte, die ich gerade heute mehr oder weniger selbst erleben durfte. Ich hatte bei meiner "Wunschenkeltochter" einen 8-Stunden-Dienst-Tag. Als mir beim Schlittenfahren kalt wurde, meinte sie: "Ich will doch nicht, dass du krank wirst, ich hab dich doch so lieb, Clara". Daraufhin wurde zwar das Herz warm, aber die Füße blieben dennoch kalt und wir gingen zu mir nach Haus.
    Mit liebe Grüßen von Clara

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  8. Ja, das ist eine schöne Geschichte, die ich allerdings schon seit vielen Jahren als Powerpointversion mit Bildern dazu kenne. Von wem wurde sie eigentlich geschrieben?

    Trotzdem schön, wieder mal daran erinnert zu werden, was schenken wirklich bedeutet ...

    Lieben Gruß
    Bina

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lieben dank!